Vinschgau - Südtirol - Val Venosta

Vischgau, der Westen Südtrols

Der Vinschgau, italienisch Val Venosta, ist der westlichste Teil des kleinen italienischen Alpenlandes Südtirol und grenzt an Nordtirol (Österreich), der Schweiz im Osten, den italienischen Provinzen Lonbardei und Trentino im Süden und im Osten an das Meraner Land (Südtirol). Er wird wegen seiner hohen Sonnenscheindauer und den geringen Niederschlägen als eines der trockensten Täler des Alpenraumes bezeichnet.

Als politische Einheit existiert die Bezirksgemeinschaft Vinschgau seit 1962. Dreizehn Gemeinden mit Namen Schlanders, Mals, Stilfs, Graun, Schluderns, Glurns, Taufers, Laas Kastelbell-Tschars, Latsch, Schnals, Prad und Martell bilden zusammen eine Fläche von 1.442 Quadratkilometern.

Der heimliche Hauptort des Vinschgau

Hier gibt es keinen Hauptort, wie es in den meisten anderen Südtiroler Bezirksgemeinschaften üblich ist. Schlanders ist jedoch der „heimliche“ Hauptort dieses Tales, in dem er die typischen Kriterien eines echten Hauptortes erfüllt. Genau in der Mitte des Vinschgau gelegen, sticht Schlanders mit eben seiner Lage, seiner Größe und seinem Schatz an historischen Gebäuden von den anderen Gemeinden ab. So konzentrieren sich in Schlanders die Dienstleistungs- und Handelsbetriebe des Vinschgau.

Die einzige Stadt des Vinschgau

Im Vinschgau befindet sich eine der acht Städte Südtirols. Es ist nicht Schlanders, wie man meinen könnte. Glurns besitzt das Stadtrecht. Die wirtschaftliche Bedeutung des kleinen Städtchens endete bereits im 16. Jahrhundert. Glurns konnte erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts durch eine grundlegende Sanierung wieder Bedeutung gewinnen und ist heute hauptsächlich durch seine schönen, historischen Gebäude und einer komplett erhaltenen Stadtmauer ein Anziehungspunkt für Touristen.

Der Kirchtrum, der aus dem See ragt

Wer mit dem Namen Vinschgau wenig verbindet, der kennt zumindest eine Sehenswürdigkeit. Der Kirchturm, der aus dem Reschensee ragt, ist weit über die Grenzen Südtriols hinaus bekannt. Auf unzähligen Postkarten und Bildbänden wurde er in die Welt hinaus getragen! Aber nicht nur diese außergewöhnliche Erscheinung zieht viele an. Auch seine traurige Geschichte berührt die Menschen, als Mitte des letzten Jahrhunderts das alte Dorf Graun einem großen Stauseeprojekt weichen musste und eine schmerzhafte Umsiedlung der Einheimischen begann. So ist dieser einmalige Anblick des Kirchturms im Reschensee auch ein Mahnmal eines traurigen Kapitels Südtiroler Geschichte. Erst im Jahr 2009 musste der Kirchturm im See restauriert werden, um ihn auch für die Zukunft der breiten Öffentlichkeit zu erhalten.

Ein Zentrum für Sportler von Januar bis Dezember

Lassen Sie es sich sagen: Der Vinschgau ist für Urlauber nicht nur ein Gebiet zum entspannen und besinnen, sondern auch zur sportlichen Betätigung und zwar das ganze Jahr über! Der Westen Südtirols hat tolle Wintersportgebiete wie Schöneben am Reschen, die Haider-Alm in Sankt-Valentin oder Watles. Natürlich ist dieses Fleckchen Erde vor allem auch ein Wander- und Kletterparadies. Mag oder kann man nicht so viele Höhenmeter beim Wandern überwinden, bietet das Laufen auf den Waalwegen eine reizvolle Alternative. Die inzwischen trocken gelegten Waalwege dienten einst der Bewässerung des regenarmen Landstriches.

Naturwunder und Kunstschätze

Was den Sport aber auch das Ausspannen im Vinschgau besonders einladend macht, ist die atemberaubende Natur in diesem Gebiet. Begriffe wie der Ortler als höchster Berg Südtriols, der Sonnenberg und die Texelgruppe als südliche Ausläufer der Ötztaler Alpen, die Malser Haide als größter Schuttkegel des Alpenraumes, der dicht bewaldete Nördersberg, die 3.000er Berge, Nationalpark Stilfser Joch, die Seitentäler Schnalstal, Langtauferertal, Münstertal usw. schmücken dieses Gebiet für seine Bewohner und Besucher.

Weniger bekannt als seine 3000er sind seine Kunstschätze, die der Vinschgau seiner bewegenden Geschichte zu verdanken hat. Allen voran die vielen romanischen Kirchen.

Das Tal der Gegensätze (*)

Jeder Besucher dieses Landstrichs bekommt sehr schnell mit, dass es ein Ober- und ein Untervinschgau gibt. Der Obervinschgau zeigt sich mit seiner ursprünglichen Landschaft, seiner Ruhe, fernab vom lauten Tourismus und mit der Treue zur traditionellen Viehzucht und den weitläufigen Wiesen. So zeigt sich der ärmere Obervinschgau. Im Gegensatz dazu steht der reichere Untervinschgau mit seinem größten Dorf Schlanders und seiner wirtschaftlichen Ausrichtung auf den Obstanbau und den Tourismus.

Auch hatte die Geschichte ihren jeweiligen Einfluss auf die beiden Teile des Vinschgau.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts fand im Obervinschgau nahe der Stadt Glurns die Schlacht um Calven statt, in der die „Drei Bünde“ als mächtiger Gegenpol zu dem Machtblock der Habsburger einen großen Sieg erringen konnten. Diese fielen in einer brutalen Art und Weise über die Stadt Glurns und ihre Bevölkerung her und richteten  großen Schaden an. Glurns hatte sich von dieser menschlichen, wirtschaftlichen und politischen Katastrophe nie mehr wirklich erholen können. Die Armut zwang die Bevölkerung als „Wanderhändler“ ihr Geld zu verdienen. Die sogenannten „Schwabenkinder“ sind vielen ein Begriff.

Auch war das Oberland der einzige Teil des Vinschgau, der sich nicht von dem mächtigen Einfluss der Habsburger als Herren von Tirol befreien konnte und deshalb Anfang des 17. Jahrhunderts dann endgültig den Kampf gegen das Haus Habsburg aufgab, während sich das Unterland von der mächtigen Herrschaft der Habsburger befreien konnte.

Die Gegensätze zeigen sich natürlich auch in der landschaftlichen Struktur. So zeigen sich der Sonnenberg und der Nörderberg extrem konträr. Der Nörderberg mit seinen dichten Wäldern und der trockene Sonnenberg mit einer völlig anderen Vegetation ist eine Folge der besonderen Lage des Vinschgau, seiner Ost-West Ausdehnung.

Zum Schluss

Um das Ganze auf den Punkt zu bringen:

Wer mit offenen Augen, offenen Ohren und einem offenen Herzen den Vinschgau besucht, wird eine abwechslungsreiche und erfüllte Zeit im Vinschgau erleben!

(*) Quelle: ein Teil der Informationen aus Christina Antenhofer/Thea Götsch: Flurnamengeschichten Vinschgau-Pustertal

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