Die Churburg in Schluderns

Oberhalb der Südtiroler Gemeinde Schluderns im Vinschgau thront die Churburg, welche zu den am besten erhaltenen Burgen von ganz Südtirol zählt. Beachtet man, dass Südtirol mit etwa 350 Burgen als ein überaus burgenreiches Land gilt, sollte der Churburg besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Doch nicht nur deswegen ist die Churburg für alle jene, die sich einmal im Südtiroler Vinschgau und damit im Westen des beliebten norditalienischen Ferienlandes aufhalten, einen Besuch wert. Die Churburg – auf Italienisch: „Castel Coira“ – beheimatet auch mit mehr als 50 vollständigen Ritterrüstungen Europas größte Rüstungskammer.

Die Geschichte der Churburg

Die Entstehung der Churburg hat die Burg von Schluderns dem Fürstbischof von Chur, Heinrich von Montfort, zu verdanken, der letztendlich auch der Namensgeber des heutigen historischen Gemäuers ist. Etwa um das Jahr 1250 wurde mit dem Bau der Burg begonnen, teilweise wird als konkretes Erbauungsjahr das Jahr 1253 genannt. Doch das Fürstbistum Chur konnte sich nicht lange als Eigentümer der Burg bezeichnen. Denn nur wenige Jahrzehnte später, ab dem Jahr 1297, ging die Burg in den Besitz der Herren von Matsch über. Mit diesen Herren lag das Fürstbistum Chur über lange Zeit hinweg im Streit bzw. – wie man im Mittelalter sagte – in Fehde.

Die Herren von Matsch waren bis zum Tod des letzten Vertreters im Eigentum der Churburg. Dies war bis zum Jahr 1504. Während dieser Zeit, in denen die Burg den Herren von Matsch gehörte, bauten diese auch die Churburg stark aus. Zunächst kam die Burg im Jahr 1504 in die Hände der späteren Grafen Trapp. Tatsächlich wurde die Familie allerdings erst im Jahr 1537 der offizielle Besitzer der Churburg, nachdem dies der Polheimsche Vertrag so regelte. Die Familie Trapp ist noch heute der Eigentümer der Churburg.

Im Zusammenhang mit der Geschichte der Churburg wird immer wieder gerne erwähnt, dass hier der Kaiser Maximilien I. im Jahr 1516 als Gast anwesend war.

Ein Grund, weshalb die Churburg sich noch heute in ihrer nahezu vollen Pracht zeigt, ist, dass diese niemals durch Kriege bzw. Angriffe zerstört wurde.

Die Churburg und die Burganlage

Bei der Churburg handelt es sich um eine Hügelburg. Bei der Erbauung der Burg wurden zunächst nur der relativ starke Bergfried, der Palas und die Ringmauer erbaut. Um diese ursprüngliche Burg wurden nach und nach – vor allem während der Zeit, in denen diese den Herren von Matsch gehörte, erweitert. Mehrere Tore, Türme, Zwinger wurden um die Burg herum gebaut und die Anlage damit erweitert. Zur Erweiterung der Burganlage trugen aber eine große Gartenanlage und eine romanische Kapelle bei.

Die wertvollen Wandmalereien des Arkadengangs des Loggienhofes stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Rüstungskammer

Die Rüstungskammer ist sicherlich der Punkt, weshalb die Churburg neben der schönsten auch zu den am meisten besuchten Burgen Südtirols gehört. Bei der Rüstungskammer handelt es sich um die europaweit größte private Rüstkammer. Mehr als 50 Ritterrüstungen, die von den Familien Matscher und Trapp stammen, können hier bestaunt werden. Diese Anzahl an Rüstungen ist die komplette Ausrüstung für eine komplette Burgbesatzung. Aber nicht nur die Rüstungen selbst sind hier zu bestaunen. Daneben werden auch die Schwerter, Hieb- und Stichwaffen ausgestellt, also fast alles, was damals zur „eisernen Garderobe“ gehörte. Die damals vorhandenen Schusswaffen sind leider nicht mehr vorhanden; diese wurden in der Zeit der napoleonischen Kriege beschlagnahmt und für das Militär verwendet.

Das Highlight bei den Ritterrüstungen ist eine Rüstung, welche aus der Zeit um 1450 stammt und eine Größe von 2,10 Metern und ein Gesicht von etwa 40 Kilogramm hat. Diese gigantische Rüstung fertigte der Mailänder Waffenschmied Missaglia und wurde für den vorletzten Matscher Grafen gefertigt. Beim Anblick dieser Rüstung stellt sich so mancher die Frage, welch ein Riese dieser Mann zur damaligen Zeit wohl war.

Im Rahmen einer Besichtigung der Churburg ist allerdings nicht nur die Rüstungskammer sehenswert. Weitere Sehenswürdigkeiten der Burg sind unter anderem der Matschersaal mit Ahnengalerie, das Jakobszimmer, welches aus dem 16. Jahrhundert stammt und die Jakobskapelle und der bemalte Arkadengang mit dem aus Laaser Marmor gefertigten Renaissance-Gewölbe.

Die Südtiroler Ritterspiele

Die Churburg bildet das perfekte Panorama für die Südtiroler Ritterspiele, die jährlich im August in Schluderns veranstaltet werden. Auf einer freien Fläche am Fuße der Churburg steht ein Wochenende ganz im Zeichen des Mittelalters. Hier werden die Ritterspiele, Streitwagenrennen, Bruchenballturniere und Calvenschlacht von 1499 dargeboten, welches das Interesse zahlreicher Besucher weckt, die teilweise eine lange Anreise zu dieser einmaligen Veranstaltung auf sich nehmen.

Jeder, der die Möglichkeit hat, im August die Südtiroler Ritterspiele zu besuchen, sollte diese auch wahrnehmen. Näheres kann unter: Südtiroler Ritterspiele nachgelesen werden.

Besichtigung der Churburg

Die Churburg ist jährlich von Mitte März bis Ende Oktober für Besichtigungen geöffnet. Die Besichtigung ist allerdings nur mit Führungen möglich, welche allerdings im Viertelstundentakt beginnen. Montags ist die Burg (mit Ausnahme der Feiertage) wie fast alle Museen in Südtirol nicht geöffnet.

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